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Kopf eines Fuchses



  • ObjektbezeichnungZeichnung
  • Konzeption des Werks / Idee
    Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm; Erfinder


  • Entstehung
    Runge, Philipp Otto; Zeichner
    Bleistift; montiert mit Inv.-Nr. 1938-1 recto, 1938-187 verso und 34149 verso


  • InschriftUnten in der Mitte bezeichnet: "nach W Tischbein" (Feder in Grau)

  • SammlungHamburg, Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inventarnummer 1938-137
  • WerkverzeichnisTraeger 314 d
  • Provenienz


    Nachlass des Künstlers; ab 1810 im Besitz des Bruders Johann Daniel Runge (1767-1856), Hamburg; nach dessen Tod am 12. 3. 1856 im Besitz der Witwe Philipp Otto Runges, Pauline Runge (1785-1881), geb. Bassenge; wohl als deren Geschenk an ihren Enkel Paul Runge (1835-1899), Berlin (Sohn des Otto Sigismund Runge (1806-1839); Philipp Otto Runge (1866-1925; Sohn des Vorigen), Berlin; Hans Runge (1900-?; Sohn des Vorigen), Berlin (bis 1938); erworben 1938 von C. G. Boerner, Leipzig
  • ObjektbeschreibungRunge war bereits in Kopenhagen mit der Kunst Tischbeins in Berührung gekommen, und blieb ihm auch nach seiner Rückkehr nach Hamburg verbunden, wohin Tischbein 1801 übersiedelt war. Das besondere Interesse Runges weckten dessen Tierstudien, die Tischbein im Rahmen seiner Untersuchungen zur Physiognomie der Menschen und Tiere angefertigt hatte: „Ein sehr großes Vergnügen machte ihm das unvergleichliche Talent des Directors Tischbein für Thierphysiognomien, besonders die Zeichnungen, welche derselbe von allen den wilden Thieren, die im Sommer 1804 auf dem Hamburger Berge gezeigt wurden, machte, und deren zum Theil recht ‚tüchtige Gesichter‘, wie R. sich ausdrückte, dieser im Winter darauf nachzeichnen wollte; wir besitzen davon bloß den sehr schönen Kopf des Waschbären.“ (Anm. 1) Der in Daniels Besitz befindliche Kopf eines Waschbären von Runge lässt sich genauso wenig nachweisen wie Tischbeins Vorlage, weshalb Traeger zu Recht eine Verwechslung mit den verschiedenen Studien nach dem „Kopf eines Fuchses“ angenommen hat (Anm. 2). Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Inv. Nr. 1938-1, das sich möglicherweise aus Daniels Besitz stammend 1846 im Nachlass des Hamburger Malers Johann Joachim Faber befand, von wo es über den Verein für Hamburgische Geschichte in den Besitz der Hamburger Kunsthalle kam. Von Runge existieren insgesamt vier Blätter mit Studien eines Fuchskopfes nach rechts, weshalb Traegers Annahme, Runge hätte als Vorlage eine Radierung mit Ansichten von Fuchsköpfen aus Tischbeins 1796 in Neapel erschienenem physiognomischen Werk benutzt (Anm. 3), sicher unzutreffend ist. Runge müsste dann den Fuchskopf seitenverkehrt übertragen haben, was für ihn ungewöhnlich wäre, da er sonst Vorlagen immer seitengleich kopiert. Zudem unterscheiden sich Runges weitgehend als Umrisse ausgeführte Zeichnungen auch von Tischbeins feinteiliger und in der Angabe der Binnenzeichnung differenzierter Radierung, weshalb Runge eine andere Vorlage zur Verfügung gehabt haben muss (Anm. 4). Diese tauchte erst vor wenigen Jahren im Kunsthandel auf, als ein Teil von Tischbeins Nachlass versteigert wurde, in dem sich ein Aquarell mit dem Fuchskopf befand (Anm. 5). Daniel Runge erwähnt Runges Studien nach Physiognomien im Zusammenhang der „Freuden der Jagd“, doch gibt für diese Verbindung ebenso keine Anhaltspunkte wie für eine späte Datierung 1809 (Anm. 6). Vielmehr bestätigt die Rekonstruktion eines großformatigen Entwurfs zur „Flucht nach Ägypten“ auf der Rückseite der vier Blätter Daniels Datierung in das Jahr 1805. Nachdem Runge den Entwurf auf der Vorderseite verworfen hatte, zerschnitt er das Blatt und benutzte die Rückseiten für seine Tierstudien nach Tischbein, die offensichtlich ohne konkreten Werkbezug entstanden, sondern wohl Ausdruck eines allgemeinen Interesses an Fragen der Physiognomie sind (Anm. 7), die wenig später in „Petrus auf dem Meer“ eine besondere Rolle spielen sollten. Erstaunlich ist allerdings, mit welcher Intensität sich Runge der Vorlage Tischbeins widmete. Tischbeins Aquarell reduziert Runge in verschiedenen Stufen beginnend wahrscheinlich mit der Bleistift- (Inv. Nr. 1938-137) und der Federzeichnung (Inv. Nr. 1938-1 verso) auf den Umriss bzw. die graphische Struktur der Linien bis zu Inv. Nr. 34149, das in der zeichnerischen Bewältigung am sichersten und souveränsten erscheint. Peter Prange 1 HS I, S. 351. 2 Traeger 1975, S. 380, Nr. 314 a. 3 Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Têtes de differents animaux dessinées d’apres nature pour donner une idée plus exacte de leurs caractères, par Guillaume Tischbein, Neapel 1796. 4 Auch ein von Hinrich Sieveking: Zwischen Rokoko und Romantik, in: Weltkunst XLVI, 1976, Nr. 8, S. 727, angeführtes Blatt Tischbeins mit dem Kopf eines Fuchses in Münchner Kunsthandel weist Unterschiede zu Runges Fassung auf, weshalb es ebenfalls als Vorlage nicht in Frage kommt. 5 Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Wolfskopf, Feder in Grau, schwarze Kreide, Aquarell, 288 x 375 mm, Klassik Stiftung Weimar, Graphische Sammlung, Inv. Nr. KK 12102, vgl. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen, Klassik Stiftung Weimar, Kulturstiftung der Länder – Patrimonia 274, Weimar 2006, S. 101, Nr. 213, Abb. 28 6 Pauli 1916, S. 43, Nr. 141; Böttcher 1937, S. 185, Anm. 2; Berefelt 1961, S. 225, Anm. 2. 7 Traeger 1975, S. 381, Nr. 314 c bringt die Studien mit Runges damaligen Interesse „an psychosomatischen Problemen“ in Zusammenhang, das seinen Ausdruck auch im Besuch der Vorlesungen Franz Joseph Galls im Frühjahr 1806 findet, vgl. HS II, S. 500.
  • Rechte am DatensatzCreative Commons License © Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, CC BY 4.0
 

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