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Die Verspottung der Ceres



  • ObjektbezeichnungZeichnung
  • Entstehung
    Elsheimer, Adam; Zeichner
    um 1605-08
    Gouache in Schwarz und Weißhöhungen auf braun grundiertem Papier; aufwändig montiert


  • InschriftOben rechts signiert: "A/E" (Feder in Braun), unten rechts: Stempel E. Calando (L. 837)

  • InschriftAuf dem alten Untersatzkarton bezeichnet: "Adam Elsheimer mort en 1620" (Feder in Braun); auf dem Verso nummeriert: "no. 77" (Feder in Braun) und bezeichnet: "1512 P. No. 8. 3662 c."; unterhalb davon bezeichnet: "Ceres buvant a la porte de la veille Baubo; cf Elsheimer. tableau musee de Berlin e Madrid.", unten links nummeriert: "No. 216", rechts daneben bezeichnet: "Vente Guichardot" (alle Bleistift)

  • SammlungHamburg, Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inventarnummer 1927-105
  • Provenienz


    Sammlung (?) Guichardot, Paris (nicht bei Lugt); E. Calando (2. H. 19. JH.), Paris (L. 837); Simon Meller (1875-1949), Budapest (nicht bei Lugt); von diesem 1927 erworben von Frits Lugt (1884-1970), Amsterdam/Paris (L. 1028, vgl. Inventar Collection Frits Lugt, Bd. II, S. 49, Nr. 2861, Paris, Fondation Custodia); von Frits Lugt 1927 im Tausch erworben
  • ObjektbeschreibungDie Hamburger Zeichnung gehört zu einer Reihe von Ceres-Darstellungen Elsheimers, die um 1605 in Rom entstanden. Dargestellt ist eine Szene aus Ovids Metamorphosen (Buch V, Vers 446–461): Auf der nächtlichen Suche nach ihrer Tochter Proserpina, die von Pluto entführt wurde, stillt Ceres ihren Durst vor der Hütte der Metanira. Als die allzu gierig Trinkende von dem Knaben Stellio verspottet wird, verwandelt sie ihn in eine Eidechse. Die Zeichnung zeigt Ceres rechts vor dem Haus sitzend, links neben ihr die alte Frau und Stellio. Die Fackel auf den Knien der Ceres bietet neben dem Mond die einzige Lichtquelle der Szene. Klessman deutet das Blatt als wichtige Vorstufe für die malerische Behandlung des Themas, besonders für die Inszenierung der nächtlichen Stimmung. Die für die Gouachen (Anm. 1) typische Beleuchtung der Figuren erreicht Elsheimer hier durch die Kontrastierung von Grau-Schwarz Tönen und brauner Grundierung mit Weißhöhungen. Eine weitere Gouache in Vaduz mit der Verwandlung Stellios in eine Eidechse zeigt eine ähnliche Stimmung.(Anm. 2) Andrews hat darauf hingewiesen, dass Elsheimer vermutlich beabsichtigte, mit den verschiedenen Darstellungen die einzelnen Episoden der Ceres-Legende wiederzugeben.(Anm. 3) Den Anfang bildet demnach die Hamburger Szene vor der Hütte, danach folgt im Gemälde die Verspottung und schließlich die Verwandlung Stellios in der Vaduzer Zeichnung. Klessmann sieht die Hamburger Zeichnung dagegen eher als kompositorische Vorstudie für das Gemälde an.(Anm. 4) Zwei Zeichnungen im Städel, die früher Elsheimer zugeschrieben wurden, zeigen weitere Versuche zur Konzeption der Ceres-Gruppe.(Anm. 5) Eine der Zeichnungen ähnelt der Hamburger Darstellung in der Art wie Ceres die Fackel auf den Knien trägt. Der Künstler, vermutlich Hendrick Goudt (1583–1648), muss daher bei der Entwicklung der Bildidee beteiligt gewesen sein. In einer Radierung, deren einzig bekanntes Exemplar sich in der Hamburger Kunsthalle befindet (Anm. 6), verändert Elsheimer die Komposition, indem er Ceres dem spottenden Knaben und der Alten gegenüberstellt. Die skizzenhafte Strichführung der Radierung weist darauf hin, dass auch die Radierung nur als Experiment für die Komposition diente. Die durch den Druck seitenverkehrte Komposition wurde für das Gemälde übernommen. Von Elsheimers Gemälde sind mehrere Versionen bekannt, darunter zwei Bilder in Madrid und in Milwaukee in der Sammlung Bader.(Anm. 7) Während das Madrider Gemälde inzwischen als Kopie angesehen wird, ist das Bild aus der Sammlung Bader als Werk Elsheimers anerkannt. Ob es sich dabei um das ursprüngliche Original handelt, konnte auf Grund des schlechten Zustandes des Bildes bisher nicht eindeutig geklärt werden.(Anm. 8) Ausschlaggebend für die Zuschreibung ist ein Kupferstich Hendrick Goudts von 1610 (Hollstein 5), auf dem der Junge wie auf der Radierung Elsheimers den Kopf im Profil dem Betrachter zuwendet.(Anm. 9) Dieses Motiv ist in dem Gemälde aus Milwaukee übernommen, auf dem Madrider Bild schaut der Knabe dagegen auf Ceres. Während Drost die Hamburger „Verspottung“ als Kopie abschrieb, ist Elsheimers Autorschaft heute uneingeschränkt anerkannt. Möhle hat das Blatt zwischen 1605–1608 datiert.(Anm. 10) Vergleiche mit stilistisch verwandten Werken Elsheimers haben inzwischen erwiesen, dass die Gemäldefassung der „Verspottung“ nicht später als 1605 entstanden sein kann, was für unsere Zeichnung bedeutet, dass sie eher noch früher zu datieren ist.(Anm. 11) Petra Roettig 1 Insgesamt sieben Gouachen werden Elsheimer zugeschrieben: „Tobias und der Engel“, Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, KdZ 8498; „Die Enthauptung Johannes des Täufers“, Chatswoth, Trustees of Chatsworth Settlement, Inv.-Nr. 851 C; „Ceres verwandelt den spottenden Knaben in eine Eidechse“, Vaduz, Stiftung Wolfgang Ratjen (ehemals Zürich, Sammlung Kurt Meissner); „Bathseba im Bade“, Wien, Albertina, Inv.-Nr. 3345; „Jupiter und Merkur bei Philemon und Baucis“, Warschau, Muzeum Narodowe, Inv.-Nr. 146603/17 MNW; „Sitzende Frau (Studie der Bathseba ?)“, Privatbesitz (vgl. Aukt. Kat. Christie’s London. Old Master Drawings, 1.7.1997, S. 212, Nr. 207). Vgl. Andrews 1985, S. 199–200, Nrn. 47–51; Ausst.-Kat. Frankfurt 2006, S. 182–184, Nrn. 42–46. Ich danke Joachim Jacoby, Düsseldorf, für Hinweise. 2 Vgl. Anm 1. 3 Keith Andrews: A Rediscovered Elsheimer Drawing, in: Master Drawings, Vol. IX, Nr. 1, 1971, S. 38–39. 4 Klessmann 1997, S. 242 und Ausst.-Kat. Frankfurt 2006, S. 142. 5 Frankfurt am Main, Städelsches Kunstinstitut, Graphische Sammlung, Inv.-Nrn. 5892 und 672, vgl. Möhle 1966, S. 167–169, Nrn. A 2 und A 3, Taf. 46 und 47 und Klessmann 1997, S. 242–243. 6 Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 12870, vgl. Andrews 1985, S. 201, Nr. 56, Taf. 7 Madrid, Museo del Prado, Inv.-Nr. 2181; Milwaukee, Sammlung Dr. Alfred und Isabel Bader, vgl. Ausst.-Kat. Frankfurt 2006, S. 138–143, Nr. 26 und 27, Abb. 8 Ebd. und Klessmann 1997, S. 245–247. 9 Ebd., S. 142–143 und Kat. 51, Abb. 10 Möhle 1966, S. 143. 11 Vgl. Ausst.-Kat. Frankfurt 2006, S. 143.
  • Rechte am Datensatz© Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, CC BY 4.0
 

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